Nunmehr erschienen: „Geld, Gesellschaft, Zukunft – Roland Baader, Porträt eines unbequemen Freiheitsdenkers“

GGZGeld, Gesellschaft, Zukunft – Roland Baader, Porträt eines unbequemen Freiheitsdenkers
Autor: Gregor Hochreiter
Paperback, 224 Seiten
ISBN: 978-3-935197-68-7
12,90 €

Über das Buch:

„Roland Baader war ein Querdenker. Ihn in eine bestimmte Schublade zu stecken wird seinem Denken nicht gerecht. Er war zweifelsohne ein überzeugter Liberaler. Er war auch ein Mensch, der Wege für den Fortschritt aufzeigte und dabei in seinem Handeln als ehemaliger Unternehmer sozial war, aber kein Linker. Für ihn war der Erhalt der Familie Stütze jeder gesellschaftlichen Ordnung. Insofern war er konservativ; ihn aber als Konservativen einzusortieren wäre ebenso zu eng wie in ihm nur den Liberalen zu sehen. Er war überzeugter Christ, doch obgleich des Erkennens der Wesenszüge der christlichen Botschaft konnte man ihn nicht in eine konfessionelle, gar enge Nische stecken. So verband er die liberale Idee mit seinem christlichen Glauben, seiner konservativen aber fortschrittlichen Einstellung und ausgesprochen sozialer Handlungsweise. Roland Baader ist nach langem Leiden am 8. Januar 2012 gestorben.

Mit diesem vorliegenden Buch ist es dem Volkswirt und Autor des Buches „Krankes Geld – Kranke Welt“ gelungen, die Bandbreite des Denkens von Roland Baader zu verdeutlichen. In fünf Abschnitten über das Geld, dem bürgerlichen und sozialistischen Denken, den Voraussetzungen einer freien Gesellschaft und der Beurteilung der ökonomischen und sozialen Entwicklung aus christlicher Sicht, bringt Hochreiter eine Fülle von Zitaten, die er treffend mit eigenen Kommentaren verbindet. So kann der Leser zusammengefasst aus der Vielzahl der Veröffentlichungen von Roland Baader den roten Faden seines Denkens nachvollziehen und erfahren. Denjenigen, die schon einiges von Roland Baader gelesen haben, legt dieses Buch dar, wie dieser den einen oder anderen Gedanken im Kontext der verschiedenen Publikationen beleuchtet hat und man erfährt so einige überraschende Zusammenhänge. Zudem wird deutlich, wie erschreckend wahr und zutreffend die Beurteilung Baaders über die kommende Entwicklung war und sein wird.“

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Neuigkeiten

Mit dem heutigen Tag scheidet Gregor Hochreiter aus dem Oekonomika-Institut aus, weil er als Postulant bei den SJM eintritt. Für sein Engagement möchten wir ihm unseren Dank aussprechen und wünschen ihm Gottes reichen Segen auf dem weiteren Lebensweg.

In welcher Form die Aktivitäten des Institut fortgeführt werden, wird sich in den nächsten Wochen klären. Die Webseite bleibt in jedem Fall online. Somit sind die Publikationen und die zahlreichen Blogbeiträge weiterhin abrufbar. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Voraussichtlich Ende Oktober/Anfang November erscheint im Resch-Verlag das von Gregor Hochreiter verfaßte Buch „Roland Baader – Geld, Gesellschaft, Zukunft – Das Porträt eines unbequemen Freiheitsdenkers“. Es kann auf der Webseite des Resch-Verlags oder im Buchhandel bestellt werden.

Mit den besten Grüßen für das Oekonomika-Institut
Johannes Hühnler

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Sommerpause

Wir halten bis Mitte September Sommerpause und würden uns freuen, Sie dann wieder begrüßen zu dürfen.

Das Team von Oekonomika,
Gregor Hochreiter & Johannes Hühnler

P.S: Anfragen können Sie jederzeit an institut@oekonomika.org richten. Eine etwaige urlaubsbedingte Verzögerung unserer Antwort bitte wir zu entschuldigen.

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Zitate: Katholische Soziallehre zur rechten Verfaßtheit der Wirtschaftsordnung

  • Die Natur hat vielmehr alles zur Eintracht, zu gegenseitiger Harmonie hingeordnet; und so wie im menschlichen Leibe bei aller Verschiedenheit der Glieder im wechselseitigen Verhältnis Einklang und Gleichmaß vorhanden ist, so hat auch die Natur gewollt, daß im Körper der Gesellschaft jene beiden Klassen in einträchtiger Beziehung zueinander stehen und ein gewisses Gleichgewicht darstellen. Die eine hat die andere durchaus notwendig. So wenig das Kapital ohne die Arbeit, so wenig kann die Arbeit ohne das Kapital bestehen. Eintracht ist überall die unerläßliche Vorbedingung von Schönheit und Ordnung; ein fortgesetzter Kampf dagegen erzeugt Verwilderung und Verwirrung. Zur Beseitigung des Kampfes aber und selbst zur Ausrottung seiner Ursachen besitzt das Christentum wunderbare und vielgestaltige Kräfte. (Rerum Novarum, Nr. 15)
  • In der Tat, wenngleich Wirtschaft und Sittlichkeit jede in ihrem Bereich eigenständig sind, so geht es doch fehl, die Bereiche des Wirtschaftlichen und des Sittlichen derart auseinanderzureißen, daß jener außer aller Abhängigkeit von diesem tritt. Die sogenannten Wirtschaftsgesetze, aus dem Wesen der Sachgüter wie aus dem Geist-Leib-Wesen des Menschen erfließend, besagen nur etwas über das Verhältnis von Mittel und Zweck und zeigen so, welche Zielsetzungen auf wirtschaftlichem Gebiet möglich, welche nicht möglich sind. Aus der gleichen Sachgüterwelt sowie der Individual- und Sozial-Natur des Menschen entnimmt sodann die menschliche Vernunft mit voller Bestimmtheit das von Gott, dem Schöpfer, der Wirtschaft als Ganzem vorgesteckte Ziel. (Quadragesimo Anno, Nr. 42)
  • So wenig die Einheit der menschlichen Gesellschaft gründen kann auf der Gegensätzlichkeit der Klassen, ebensowenig kann die rechte Ordnung der Wirtschaft dem freien Wettbewerb anheimgegeben werden. Das ist der Grundirrtum der individualistischen Wirtschaftswissenschaft, aus dem all ihre Einzelirrtümer sich ableiten: in Vergessenheit oder Verkennung der gesellschaftlichen wie der sittlichen Natur der Wirtschaft glaubte sie, die öffentliche Gewalt habe der Wirtschaft gegenüber nichts anderes zu tun, als sie frei und ungehindert sich selbst zu überlassen; im Markte, d.h. im freien Wettbewerb, besitze diese ja ihr regulatives Prinzip in sich, durch das sie sich vollkommener selbst reguliere, als das Eingreifen irgendeines geschaffenen Geistes dies je vermöchte. Die Wettbewerbsfreiheit – obwohl innerhalb der gehörigen Grenzen berechtigt und von zweifellosem Nutzen – kann aber unmöglich regulatives Prinzip der Wirtschaft sein. […] Höhere und edlere Kräfte müssen es sein, die die wirtschaftliche Macht in strenge und weise Zucht nehmen: die soziale Gerechtigkeit und die soziale Liebe! (Quadragesimo Anno, Nr. 88)
  • Die vom Gesetz zur Verfügung gestellten Rechtsformen für Erwerbsgesellschaften mit ihrer Teilung der Verantwortlichkeit und ihrer Haftungsbeschränkung haben Anlaß geboten zu sehr üblen Mißbräuchen. Es zeigt sich, daß die auf diese Weise stark geschwächte Rechenschaftspflicht nur wenig Eindruck macht. Die schlimmsten Ungerechtigkeiten und Betrügereien spielen sich ab im Halbdunkel der Anonymität hinter der Fassade einer neutralen Firma. Verwaltungen von Erwerbsgesellschaften gehen in ihrer Pflichtvergessenheit bis zur Untreue denen gegenüber, deren Ersparnisse sie zu verwalten haben. An letzter Stelle ist noch zu nennen die skrupellose, aber wohlberechnete Spekulation auf die niederen Triebe des Publikums, die man aufstachelt, um an ihrer Befriedigung zu verdienen. (Quadragesimo Anno, Nr. 132)
  • Der Markt ist, wenn gegenseitiges und allgemeines Vertrauen herrscht, die wirtschaftliche Institution, die die Begegnung zwischen den Menschen ermöglicht, welche als Wirtschaftstreibende ihre Beziehungen durch einen Vertrag regeln und die gegeneinander aufrechenbaren Güter und Dienstleistungen austauschen, um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen. Der Markt unterliegt den Prinzipien der sogenannten ausgleichenden Gerechtigkeit, die die Beziehungen des Gebens und Empfangens zwischen gleichwertigen Subjekten regelt. Aber die Soziallehre der Kirche hat stets die Wichtigkeit der distributiven Gerechtigkeit und der sozialen Gerechtigkeit für die Marktwirtschaft selbst betont, nicht nur weil diese in das Netz eines größeren sozialen und politischen Umfelds eingebunden ist, sondern auch aufgrund des Beziehungsgeflechts, in dem sie abläuft. Denn wenn der Markt nur dem Prinzip der Gleichwertigkeit der getauschten Güter überlassen wird, ist er nicht in der Lage, für den sozialen Zusammenhalt zu sorgen, den er jedoch braucht, um gut zu funktionieren. Ohne solidarische und von gegenseitigem Vertrauen geprägte Handlungsweisen in seinem Inneren kann der Markt die ihm eigene wirtschaftliche Funktion nicht vollkommen erfüllen. Heute ist dieses Vertrauen verlorengegangen, und der Vertrauensverlust ist ein schwerer Verlust. (Caritas in Veritate, Nr. 35)

 

 

 

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Gedanken zum Maß des Wirtschaftens

von Gregor Hochreiter

Es ist gegenwärtig eine der dominantesten Auffassungen eines gelungenen Lebens, Karriere zu machen, ein hohes Einkommen zu erzielen und möglichst viele materielle Güter zu besitzen. Diesen Maßstab eines gelungenen Lebens finden wir sowohl auf der individuellen Ebene als auch auf der Ebene der Staaten. Die möglichst rasche, beständige und krisenfreie Mehrung des Brutto-Inlandsprodukts ist für eine Regierung nicht nur ein Garant für die Wiederwahl sondern verleiht einem Staat Ansehen und Macht in der Welt.

Es läßt sich feststellen, daß der Wunsch nach dauerhafter Gütermehrung zum Selbstweck sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Handelns geworden ist. Alles Tun und Handeln, alle gesellschaftlichen Institutionen haben sich der ungeordneten Gütermehrung zu unterwerfen. Sie geht letztlich über kulturelle, gesellschaftliche, ökologische und familiäre Leichen und führt zu Zwietracht, Neid und Mißgunst in der Bevölkerung und zwischen den Völkern.

Diesem selbstzerstörerischen Trend haben Konzepte wie die Nachhaltigkeit, der faire Handel und die Entschleunigungsbewegung versucht entgegen zu wirken, ohne jedoch die übergeordnete Frage zu behandeln, was überhaupt das menschliche Maß in der Wirtschaft ist.

Zur Bestimmung des menschlichen Maßes ist zweierlei nötig. Zum ersten ist es unumgänglich, die Frage über den Sinn und Zweck der menschlichen Existenz an sich zu beantworten. Wenn die Fülle des Lebens nicht in der Anhäufung materieller Güter oder in der Maximierung des Nutzens zu finden ist, wie heute meist ex- oder implizit angenommen wird, wozu sind wir dann eigentlich hier auf Erden? Daraus ergibt sich zum zweiten die Frage, welche Bedeutung die materiellen Güter für die Verwirklichung des Sinns des Lebens haben.

Sinn und Zweck des menschlichen Lebens

Nach christlich-abendländischer Auffassung ist dem Menschen das Ziel seiner Existenz gleichermaßen vor- wie aufgegeben. Eine erste Formulierung finden wir bei Platon. Dieser prägte die Formel: „Gott ist das Maß aller Dinge“. Der Mensch ist in dieser Hinsicht somit ein Empfangender. Denn schließlich kann sich keine Sache selber Maß sein. Das Maß, sei es der Zollstock oder die Gewichtseinheit, wird der zu bestimmenden Sache von außen angelegt. So ist es auch beim Menschen. Auf dieser übergeordneten Ebene obliegt es der einzelnen Person also nicht, Letztgültiges festzulegen.

Den Gegenpol nimmt Protagoras ein, der für die Formulierung „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ bekannt ist. Diese Ansicht ist in enger Übereinstimmung mit den gegenwärtig dominanten Strömungen des Subjektivismus und Individualismus: „Erlaubt ist, was (mir) gefällt.“ Die Rede über eine verbindliche Moral oder über ein dem Menschen als Menschen zukommendes Ziel wird aus dieser Warte als anmaßendes Diktat wahrgenommen.

Unbeschadet der Platonischen Grundeinsicht, daß Gott das Maß aller Dinge ist, ist der Mensch kraft seines freien Willens das einzige Lebewesen, das sich zu sich selbst verhalten kann. Er kann das Maß annehmen oder ablehnen. Mit anderen Worten: Er kann seine Natur, d.h. das, was den Menschen zum Menschen macht, annehmen oder ablehnen. Deswegen ist der Mensch ein sittliches Wesen. Verhält er sich gemäß seiner Natur, nennen wir eine Handlung gut oder richtig. Verhält er sich wider seine Natur, bezeichnen wir die Handlung als verkehrt oder böse.

Eine Person, die die Natur des Menschen vollumfänglich verwirklicht hat, nennt die Tradition eine tugendhafte Person. Der Begriff der Tugendhaftigkeit stammt ab vom Verb „taugen“. Der Tugendhafte taugt für das Leben, er ist im vollsten Sinne lebenstauglich, weil er imstande ist, die vom Leben gestellten Aufgaben angemessen zu lösen.

Die vier Kardinaltugenden lauten: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt (lat. cardo = Türangel) für ein gelungenes Leben. Wer diese natürliche Tugendhaftigkeit so sehr verinnerlicht hat, daß sie ihm gleichsam zur zweiten Haut geworden sind, ist Herr über seine Triebe und Leidenschaften. Er ordnet sie auf das übergeordnete Ziel der Tugendhaftigkeit hin, durch deren Verwirklichung der Mensch glücklich wird.

Glücklich wird der Mensch nicht dadurch, daß er tut, was er will, sondern weil er will, was er soll. Mit anderen Worten: Das Glück stellt sich ein, wenn der Mensch einen Grund dazu hat. (Viktor Frankl) Der Grund ist dann gegeben, wenn der Mensch so handelt wie ein Mensch als vernunftbegabtes, mit einem freien Willen ausgestattetes und zum Glück bestimmtes Wesen in der konkreten Situation handeln soll.

Und je mehr der Mensch das Gute tut, desto freier wird. Freiheit bedeutet wiederum nicht, zu tun, was man will. Die Freiheit ist unweigerlich an die Wahrheit gebunden. Dort wo die Wahrheit vom Menschen verdunkelt wird, schwinden in weiterer Folge das Glück und die Freiheit.

Der Lasterhafte, also derjenige, der beharrlich vom Pfad der Tugend abgekommen ist, ist eben nicht frei, er ist nicht Ursache seiner selbst sondern Sklave seiner Triebe und Leidenschaften. Der Ruhmsüchtige handelt etwa so, daß er in den Augen der Menschen gut dasteht. Es ist die Meinung der Menschen, die Auslöser seiner Handlung ist. Er möchte nicht das objektiv Gute tun sondern das, was in den Augen der Bevölkerung als erstrebenswert gilt. Der Habgierige agiert ebenso wenig selbstbestimmt, weil er in seinem ungeordneten Streben nach Besitz von den materiellen Gütern getrieben wird. Er tätigt einen Kauf nicht deswegen, weil er die erstandene Ware für das gute Leben benötigt, sondern weil ihn die Produkte im Kaufhausregal gleichsam zwingen, diesen Einkauf zu tätigen.

Im „Oikonomikos“ des Xenophon, dem wohl ältesten Traktat zu ökonomischen Fragestellungen in der abendländischen Tradition, warnt Sokrates in einem Dialog mit Kritobulos vor den trügerischen Herrinnen und unterstreicht die wichtige Einsicht, daß der dem Laster Frönende sich selbst versklavt hat:

„Es gibt noch manche andere trügerische Herrinnen, die vorspiegeln, Freuden zu sein, Würfelspiel und schlechte Gesellschaft, die im Laufe der Zeit auch den Betrogenen selbst als mit Freuden überbackenen Leiden offenkundig werden, die sie von den nützlichen Taten abhalten, wenn sie von ihnen Besitz ergriffen haben.

Andere dagegen, Sokrates, sagte er, werden von diesen Mächten zwar nicht am Arbeiten gehindert, sondern halten sich sogar scharf an die Arbeit und an das Ausfindigmachen von Einnahmequellen; dennoch reiben sie ihre Haushalte auf und leiden Not.

Sklaven sind auch sie, meinte Sokrates, und zwar von sehr bösen Herrinnen, die einen von Leckerein, andere von Ausschweifungen, Trunksucht oder einfältigem und kostspieligem Ehrgeiz; diese Schwächen beherrschen die Menschen, über die sie Macht gewinnen, so grausam, daß sie sie zwingen, solange sie sie jung und leistungsfähig sehen, alles, was sie erarbeiten, herbeizubringen und ihren Leidenschaften zu opfern, sobald sie jedoch bemerken, daß sie aus Altersgründen zur Arbeit nicht mehr fähig sind, überlassen sie sie einem unwürdigen Alter und versuchen wiederum, andere als Sklaven zu verwenden. Deshalb ist es nötig, Kritobulos, gegen sie nicht weniger um die Freiheit zu kämpfen als gegen Menschen, die uns mit Waffengewalt zu versklaven suchen. Feinde jedenfalls, die Männer von Ehren waren, haben, wenn sie andere versklavten, schon viele zur Besserung gezwungen, indem sie sie zur Vernunft brachten, und bewirkt, daß sie künftig leichter lebten; die Herrinnen der anderen Art aber schädigen Körper und Seele der Menschen und die Haushalte; sie lassen niemals ab, solange sie sie in ihrer Gewalt haben.“

Biblisch ausgedrückt: „Wer die Sünde tut, ist der Sünde Knecht.“ (Joh 8, 34) Und den Anfechtungen, die den Menschen zur Sünde verleiten wollen, gilt es, wie schon Sokrates ausführt, zu widerstehen. Dieser Kampf gegen das Böse und die Sünde ist der erste und wichtigste Kampf um die Freiheit.

Dieses inhaltsbestimmte Freiheitsverständnis ist von dem heute so populären formalen Freiheitsverständnis zu unterscheiden. Platon und mit ihm die abendländische Tradition haben auf die Hinordnung der Freiheit auf die Wahrheit hingewiesen, während Protagoras und die Neuzeit ein formales Freiheitsverständnis vertreten. Ersteres entspricht einer „Freiheit für das Schöne, das Gute und das Wahre“, mit anderen Worten einer „Freiheit für Gott“, zweiteres betont die „Freiheit von Zwängen, Pflichten, Vorgaben“.

Das Christentum hat schließlich die vier natürlichen Kardinaltugenden um die drei übernatürlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe erweitert, wobei die Liebe unter diesen die Größte ist. (vgl. 1 Kor 13). Im Unterschied zu Aristoteles, der das Ziel des Menschen in der Erlangung der natürlichen Tugendhaftigkeit erkannt hat, verkündet das Christentum, daß das letzte Ziel des Menschen in der Rückkehr zu Gott liegt, der die Liebe ist. Der Mensch ist dazu berufen, an der Liebe Gottes teilzuhaben. Gott ist das höchste Gut und wer dieses höchste Gut erlangt, wird in Ewigkeit glückselig sein.

Das Maß der materiellen Güter

Nach diesen einführenden Gedanken zu Sinn und Zweck des Lebens, zu Quelle und Ziel des menschlichen Lebens und Glücks wenden wir uns der zweiten Frage zu: Wodurch erhalten die materiellen Güter ihr Maß?

Bei Platon lesen wir:

„denn da es insgesamt dreierlei Dinge gibt, auf die jeder Mensch sein Streben richtet, so ist die Sorge um das Geld, sofern sie in der richtigen Weise geschieht, das dritte und letzte, das mittlere ist die Sorge um den Leib, das erste die um die Seele.“ (Nomoi 743 e)

Dieses Zitat unterstreicht die wichtige Einsicht, daß die materiellen Güter nicht gegen die Gesundheit oder das Seelenheil ausgespielt werden dürfen. Es geht nicht um ein Entweder-oder sondern um ein wohlgeordnetes Sowohl-als-auch. Die sittliche Herausforderung besteht darin, die untergeordneten Güter auf die übergeordneten Güter in rechter Weise hinzuordnen. Geld und materielle Güter haben ihre Bedeutung, ja ohne sie könnten wir keinen einzigen Tag überleben. Aber sie dürfen ihre untergeordnete Dienststellung nicht verlassen.

Denn was nützt ein hohes Einkommen, wenn nach einem Herzinfarkt die Früchte der Arbeit nicht mehr genossen werden können? In diesem Fall wäre die Sorge um das Geld auf Kosten der Gesundheit überhöht worden. Es ist das Wesen einer seins-widrigen Überhöhung, daß sie sich gegen das Leben und letztlich auch gegen die materiellen Güter richtet. Das übertriebene Karrierestreben, das zu Lasten der Familie und der Freunde geht, zerstört ebenso die Ordnung der Dinge. Es macht den Diener, das Geld, zum Herrn.

Analog gilt: Was nützt das hohe Einkommen und die leibliche Unversehrtheit, wenn das ewige Seelenheil verloren zu gehen droht. In diesem Fall wird Vergängliches wie die materiellen Güter und die körperliche Unversehrtheit auf Kosten der ewigen Güter überbetont. So heißt es im Markus-Evangelium: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele?“ (Mk 8,36) Weil nach christlicher Lehre der Mensch zum ewigen Leben berufen ist, verlieren die vergänglichen Güter dort ihren Wert, wo sie den Menschen von den ewigen Gütern abzubringen drohen.

Der Dienstcharakter der materiellen Güter

Wir sprechen daher vom Dienstcharakter der materiellen bzw. äußeren Güter. Sie sind ein unentbehrliches Hilfsmittel, damit der Mensch sein eigentliches Bestimmungsziel überhaupt erreichen kann. Aber wie bei allen Hilfsmitteln gibt es ein Zuviel und ein Zuwenig, weswegen die heute weit verbreitete Ansicht, wonach eine höhere Güterausstattung in jedem Fall besser sei, grundfalsch ist:

 „Gib mir [Herr, Anm. ] weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist, damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der Herr?, damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife.“ (Spr 30, 8)

Dieses maßhaltende, der goldenen Mitte der Mäßigung entsprechende Einkommen wurde früher als standesgemäßes Einkommen bezeichnet. Jede Familie, jede Person sollte jene materiellen Güter erlangen, die sie zur Erfüllung ihrer Standespflichten benötigt. Wer ein zu geringeres Einkommen erhält, kann zum einen seine Pflichten nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen und gerät aus der berechtigten Sorge um das zum Überleben Notwendige zum anderen in Gefahr, seine Gedanken allzu sehr auf den Gelderwerb richten zu müssen, worunter der Blick auf Gott leidet. Und wer im Überfluß lebt, droht dem Stolz zu verfallen und ebenso der Gottvergessenheit anheim zu fallen.

Den Dienstcharakter der materiellen Güter hat der große Theologe Thomas von Aquin ebenfalls herausgestrichen:

„Es ist insofern erlaubt, zeitliche Güter anzustreben – aber nicht so, dass wir sie an die erste Stelle setzen und uns dabei beruhigen –, als sie zur Glückseligkeit verhelfen können, indem sie unserem leiblichen Leben zur Stütze dienen und die Ausübung von Tugenden ermöglichen.“ (S.T. II-II, q.83, art. 4)

Der Aquinat betont, daß das tiefe, existentielle Glück nicht direkt von den materiellen Gütern bewirkt werden kann, sondern diese ein Mittel zur Zielerreichung sind. Folglich ist das Gespräch über das Wozu und das Wie der Güterverwendung und über die qualitative Veredelung der äußeren Güter von wesentlich höherer Bedeutung während Überlegungen über eine weitere Mehrung der Güterausstattung, sofern das standesgemäße Einkommen gesichert ist, nahezu unbedeutend sind.

Weiterführend weist Platon darauf hin, daß nur eine Person bzw. eine Gesellschaft, die nach der Tugendhaftigkeit strebt auf lange Sicht auch materiellen Reichtum erlangen wird:

 „Denn, so lautet meine Rede, nicht aus Reichtum geht die Tugend hervor, sondern aus der Tugend der Reichtum und alle anderen menschlichen Güter im persönlichen wie im öffentlichen Leben.“ (Platon: Apologie des Sokrates 30B)

Dieser Gedanke ist eine Absage an die zutiefst materialistische Auffassung, wonach erst wohlhabende Gesellschaften sich die Tugendhaftigkeit leisten können. Im Gegenteil. Eine Person bzw. eine Gesellschaft, die das Streben nach materiellen Gütern überhöht, wird letztendlich auch den materiellen Reichtum verlieren. Ohne das Fundament der Tugend beginnt das für den Wirtschaftsverkehr unabdingbare Vertrauensnetz einzureißen. Wo die Vertragsparteien nicht mehr sicher sein können, daß sie nicht getäuscht und übervorteilt werden, dort werden sich zunächst die Transaktionskosten deutlich erhöhen und letztlich der Warenaustausch gänzlich eingestellt.

Die Heilige Schrift lehrt ebenfalls: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles [die materiellen Güter, Anm.] zufallen.“ (Mt 6, 33)

Fazit

Infolge des beständigen Vordringens des Subjektivismus, ist es in unserer Gesellschaft nahezu unmöglich geworden, über die großen existentiellen Fragen zu sprechen. Als eine Art gesellschaftlicher Kitt fungiert seither das materialistische Dogma, daß der Mensch seine existentielle Erfüllung in der Mehrung der materiellen Güter findet. Die Gesellschaft versteht sich immer weniger als geistige Kulturgemeinschaft und immer mehr als eine rein materialistische Wirtschaftsgemeinschaft. Die Ökonomisierung von immer mehr Lebensbereichen ist gerade auch eine Folge des Vordringens des Individualismus, ebenso des Aufbrechens von geographischen, politischen und moralischen Grenzen.

Die Emanzipation des Menschen von der Wahrheit und damit letztlich von sich selbst – siehe Gender Mainstreaming – hat aber nicht, wie von den Ideologen versprochen, den Menschen in eine höhere Seinsebene gehoben. Im Gegenteil. Er hat sich zum Konsumenten und Sozialhilfeempfänger degradiert und eine Gesellschaft begründet, die zunehmend nur mehr jenen Dingen einen Wert beimißt, die einen Preis haben.

Die abendländische Philosophie hat hingegen immer den Dienstcharakter der materiellen Güter betont. Die Produktion, Verteilung und Verwendung sind auf die übergeordneten Güter der Gesundheit und des Seelenheils hinzuordnen. Weder ist der Reichtum an sich gut oder schlecht, noch ist die Armut an sich gut oder schlecht. In Jesus Sirach heißt es: „Gut ist der Reichtum, der ohne Sünde ist. Furchtbar die Armut, die der Dummheit entspringt.“ (Sir 13,24)

Eine Gesellschaft, die die Stufenordnung der Dinge anerkennt, wird sich, sei es am Familientisch oder im Parlament, vorrangig nicht mit wirtschaftlichen Themen befassen sondern mit moralischen und religiösen. Der Mensch ist eben dazu geschaffen, die Wahrheit zu erkennen und die Wahrheit wird ihn schließlich frei (vgl. Joh 8, 32) machen und reich beschenken.

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Zitate: Über den Naturrechtsbegriff

Aus: Jakob Fellermeier: Das Naturrecht und seine Probleme

Verlag: Christiana-Verlag, Stein am Rhein, 1.Auflage 1980.

  • „Es lassen sich zum mindesten drei grundverschiedene Naturrechtsbegriffe unterscheiden: der aufklärerisch-individualistische Naturrechtsbegriff, der rationalistische Naturrechtsbegriff und der metaphysische Naturrechtsbegriff.“ (S. 3)
  • Trotz der ganz verschiedenen Konsequenzen, zu denen die Naturrechtslehren von Hobbes und Rousseau führten, ist beiden gemeinsam, daß sie 1. von einem fiktiv angenommenen Naturzustand des Menschen ausgingen; 2. unter Naturrecht ein subjektives Recht, das Recht auf Freiheit verstanden; 3. alle innerhalb der Gesellschaft geltenden Gesetze nur positive Gesetze sind, wie auch der Staat durch positiven Vertrag zustandegekommen ist; und 4. das positive gesellschaftliche Recht, wie schon die Gesellschaft selber, notwendige Einschränkungen des Naturrechts darstellen und somit im Gegensatz und nicht in einem positiven Verhältnis zum Naturrecht stehen. (S. 6)
  • Diese wesenhaften Seinsbeziehungen [Gott-Mensch, Mensch-Mensch, Mensch-Seele] bilden das metaphysische Naturrecht im weiteren Sinn, d.h. die sittliche Naturordnung, insofern sie Norm ist für das Verhalten des Menschen Gott gegenüber, für alle Betätigungen, die sich auf die Erhaltung und Ausgestaltung des eigenen Seins beziehen, wie Ernährung und Fortpflanzung, leibliche und geistige Bildung, und für die konkrete Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens. Diese Seinsordnung ist zugleich Sollensordnung, da ihre Einhaltung von Gott gewollt und dem Menschen als verpflichtend auferlegt ist. Diese Verpflichtung äußert sich in der Stimme des Gewissens, die dem Menschen ganz allgemein befiehlt, das Gute, d.h. das diesen Wesensbeziehungen Entsprechende zu tun, und das Böse, nämlich was dieser Wesensordnung widerspricht, zu meiden. (S. 8)
  • Dieses metaphysische Naturrecht unterscheidet sich vom rationalistischen Naturrecht dadurch, daß es nicht von subjektiven angeborenen Begriffen, sondern vom objektiven Sein ausgeht; es ist eine zur Sollensordnung erhobene Seinsordnung. Der Unterschied zum aufklärerischen Naturrecht besteht darin, daß es erstens auf einer wirklich bestehenden Ordnung und nicht auf einem fiktiv angenommen Naturzustand fußt, und zweitens nicht ein subjektives Recht, sondern eine objektive Normenordnung meint. […] So ersteht aus den Rechten, die das Eigentum verleiht, die Pflicht der anderen, diese Rechte zu respektieren. Anderseits bedingt z.B. die Pflicht der Eltern für ihre Kinder zu sorgen, deren Recht auf Unterhalt. (S. 9)
  • „Seit Kant Recht und Sittlichkeit endgültig voneinander getrennt hat, indem er für die Gesetze der Sittlichkeit Erfüllung um ihrer selbst willen forderte, während die Rechtsgesetze sich mit der Sanktion als Motiv zufrieden geben und von der inneren Gesinnung absehen, wird allgemein, wenigstens von rechtspositivistischer Seite, das verpflichtende Moment der Rechtsgesetze in ihrem Zwangscharakter gesehen. Nur die Gesetze, die erzwingbar sind, gelten als Rechtsgesetze, die Kant definiert als „Inbegriff der Bedingungen, unter denen die Willkür des einen mit der Willkür des anderen nach einem allgemeinen Gesetz der Freiheit zusammen vereinigt werden kann.“ [Metaphysik der Sitten. Einleitung in die Rechtslehre. § B: Was ist Recht?] (S. 39)
  • Schon nach Thomas bedeutet die Wahlfreiheit mehr einen Mangel denn einen Vorzug. Sie ist nämlich dadurch bedingt, daß die irdischen Güter vom Verstand als Teilgüter, als mangelhafte Güter, erkannt werden und deshalb den Willen, der von Natur aus auf das umfassende Gut, die Glückseligkeit, die, konkret gesehen, Gott ist, gerichtet ist, nicht mit Notwendigkeit bestimmen können. (S. 40)
  • Das Naturecht ist „die vom Schöpfer der Natur zur verpflichtenden Norm erhobenen Seinsordnung.“ […] Zugleich erfüllt die sittliche Naturordnung auch den Anspruch eines jeden Gesetzes als „ordinatio ad bonum commune“. Sie ist von Gott aufgestellt zum Wohl der Menschen; sie ist keine unpersönliche, rein sachliche Ordnung, sondern hinter ihr steht der persönliche wohlwollende Wille Gottes. (S. 56)
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Ist das neuzeitliche Bankensystem eine „Struktur der Sünde“?

von Gregor Hochreiter

Auf den ersten Blick mag diese Fragestellung auf den Leser befremdlich wirken. Was hat die religiöse Kategorie der Sünde im weltlichen Bereich des Bankengeschäfts zu suchen? Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist die Auffassung, daß auf lange Sicht die in einer Gesellschaft bestehenden Institutionen dem Gesamt der gesellschaftlichen Handlungen und der vorherrschenden Ideen entsprechen. Unsere Institutionen hängen nicht frei in der Luft sondern werden von den Menschen und damit von den in einer Gesellschaft dominierenden Ideen und Sehnsüchten geformt. Somit hat jede Gesellschaft die Institutionen, die sie verdient und damit auch jenes Bankensystem, das es verdient. Mit anderen Worten: Zeigt mir eure Institutionen und ich sage euch, was euch wichtig ist.

Zur Klärung der im Titel aufgeworfenen Frage werden wir zunächst zwei Charakteristika des neuzeitlichen Bankensystems näher beleuchten, nämlich die so genannte Teilreservehaltung und die Zinsenerlaubtheit. In einem zweiten Schritt werden wir den vom sel. Papst Johannes Paul II. geprägten Begriff der „Struktur der Sünde“ vorstellen und in einem dritten Schritt die Eingangsfrage, ob das neuzeitliche Bankensystem als Struktur der Sünde zu bezeichnen ist, beantworten.

1.) Charakteristika des neuzeitlichen Bankensystems[1]

a) Die Teilreservehaltung
Eine der Funktionen, die das neuzeitliche Bankensystem erfüllen soll, ist die so genannte Fristentransformation. Kurzfristige Einlagen sollen in längerfristige Kredite verwandelt werden. Im Englischen ist diese Vorgehensweise unter dem Schlagwort „borrow short – lend long“ (dt. „leihe kurzfristig – verleihe langfristig“) bekannt.

Zur Fristentransformation werden nicht nur Spar- und Termineinlagen herangezogen. Bei dieser Einlageform verzichtet der Sparer vorübergehend auf die Verfügungsgewalt über sein Geld. Er kann erst nach Ablauf der Bindungsfrist wieder auf dieses zurückgreifen. Der Fristentransformation zugeführt werden allerdings auch die täglich fälligen Sichteinlagen, obwohl der Bankkunde auf diese Geldmittel jederzeit zugreifen kann. Dadurch stehen dem Publikum deutlich mehr Kredite zur Verfügung als es sonst der Fall wäre.

Weil ein Großteil der täglich fälligen Sichteinlagen in langfristigen Krediten gebunden ist, halten die Geschäftsbanken infolge dieses Geschäftsmodells immer nur einen Bruchteil der täglich fälligen Sichteinlagen als Reserve vorrätig. Wenn das Publikum das Vertrauen in die Geschäftsbank verliert und seine Guthaben sich ausbezahlen läßt oder auf das Konto einer anderen Bank überweist, droht der Bank der Bankrott. Sie kann dem Auszahlungsbegehr der Kunden nicht mehr nachkommen.

Rechtlich bedeutsam ist die Frage, ob die Geschäftsbank die bei ihr hinterlegten täglich fälligen Sichteinlagen überhaupt verleihen darf. Diese Frage ist zu bejahen, weil aufgrund der Sammelverwahrung die Geschäftsbank Eigentümerin der hinterlegten Gelder wird. Sie ist daher eigentumsrechtlich nicht verpflichtet, eine 100%-Reserve zu halten. Ihre Verpflichtung besteht lediglich darin, einem tatsächlich geäußerten Auszahlungsbegehr sofort und unverkürzt nachzukommen. Die Festlegung der Barreserve ist somit grundsätzlich der klugen und umsichtigen Unternehmensführung des Bankiers überlassen, ebenso der Grad der Fristeninkongruenz bei den gebundenen Spar- und Termineinlagen. [2]

b) Die allgemeine Erlaubtheit der Zinsennahme[3]
Ein weiteres Charakteristikum des neuzeitlichen Wirtschaftens ist die allgemeine Erlaubtheit der Zinsennahme. Unter Zinsen hat die Tradition immer den Aufschlag auf ein Darlehen kraft eines Darlehens verstanden. Den Tatbestand der Zinsennahme begeht, wer mehr zurückverlangt als er ursprünglich verliehen hat, wer also zum Beispiel 1 kg Mehl verleiht aber 1,1 kg Mehl gleicher Art und Güte rückerstattet bekommen will. Die Zinsen stellen ein arbeits- und risikoloses Einkommen dar und verstoßen gegen die Gerechtigkeit.

Doch nicht jeder Aufschlag auf ein Darlehen ist eine verbotene Zinsennahme. Die gerechtfertigten Aufschläge werden für gewöhnlich als Interesse bezeichnet. Dieser Begriff leitet sich aus dem römischen Terminus für Schadenersatz – „id quod interest“ – ab. Gerechtfertigte Aufschläge sind z.B. Verzugszinsen, Aufwandsentschädigungen oder eine Risikoprämie. Ausgeglichen werden darf auch der durch die Teuerung bewirkte Kaufkraftverlust. Darüber hinausgehende Aufschläge sind Zinsen und damit unstatthaft. Ebenfalls gestattet ist die Gewinnbeteiligung, weil der Investor das unternehmerische Risiko mitträgt. Schließlich verliert er im Falle eines Verlustes sein investiertes Kapital, während die Forderung des Darlehensgebers unabhängig vom Geschäftserfolg besteht.

2) Strukturen der Sünde

Der Katechismus der Katholischen Kirche definiert das Wesen der Sünde wie folgt:

„Die Sünde ist ein Verstoß gegen die Vernunft, die Wahrheit und das rechte Gewissen; sie ist eine Verfehlung gegen die wahre Liebe zu Gott und zum Nächsten aufgrund einer abartigen Anhänglichkeit an gewisse Güter. Sie verletzt die Natur des Menschen und die menschliche Solidarität. Sie wurde definiert als „ein Wort, eine Tat oder ein Begehren im Widerspruch zum ewigen Gesetz.“ (Augustinus, Faust. 22, 27) (Nr. 1849)

Sündhaftes Verhalten ist somit jenes Verhalten, daß nicht dem Menschen gemäß ist, weil es gegen die von Gott eingesetzte Ordnung der Dinge verstößt. Die Sünde bringt den Menschen von seinem Ziel ab, das nach christlicher Auffassung in der Erlangung des ewigen Seelenheils liegt. „Ein Wort, eine Tat oder ein Begehren“ wider die Liebe Gottes gereicht dem Menschen nicht zum Heil.

Eine Sünde begehen kann nur die jeweils konkrete Person. Sie allein ist Trägerin moralischer Akte. Durch das regelmäßige Begehen einer Sünde kann sich die Person an die Sünde gewöhnen, sie wird lasterhaft. Ebenso kann sie sich durch das beständige Üben des Guten die Tugendhaftigkeit erwerben, wobei die übernatürliche Tugend der Liebe die höchste Form der Tugendhaftigkeit darstellt, schließlich ist Gott selbst die Liebe.

Was ist dann unter einer „Struktur der Sünde“ zu verstehen? In der 1987 veröffentlichten Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“ (dt. „Die soziale Sorge“) spricht der sel. Papst Johannes Paul II. über die „Strukturen der Sünde“:

„Mit dieser Analyse wollte ich vor allem die wahre Natur des Bösen aufzeigen, mit der wir es bei der Frage der Entwicklung der Völker zu tun haben: Es handelt sich um ein moralisches Übel, die Frucht vieler Sünden, die zu „Strukturen der Sünde“ führen. Das Böse so zu erkennen bedeutet, auf der Ebene menschlichen Verhaltens den Weg genau anzugeben, den man gehen muß, um es zu überwinden.“ (Nr. 37; Hervorhebung G.H.)

An dieser Stelle verweist Johannes Paul II. auf sein drei Jahre zuvor erschienenes Apostolisches Schreiben „Reconciliatio et Paenitentia“, in dem er den häufig mißverstandenen Begriff der „sozialen Sünde“ einführt:

„Wenn die Kirche von Situationen der Sünde spricht oder bestimmte Verhältnisse und gewisse kollektive Verhaltensweisen von mehr oder weniger breiten sozialen Gruppen oder sogar von ganzen Nationen und Blöcken von Staaten als soziale Sünden anklagt, dann weiß sie und betont es auch, daß solche Fälle von sozialer Sünde die Frucht, die Anhäufung und die Zusammenballung vieler personaler Sünden sind. Es handelt sich dabei um sehr persönliche Sünden dessen, der Unrecht erzeugt, begünstigt oder ausnutzt; der, obgleich er etwas tun könnte, um gewisse soziale Übel zu vermeiden, zu beseitigen oder wenigstens zu begrenzen, es aus Trägheit oder Angst, aus komplizenhaften Schweigen oder geheimer Beteiligung oder aus Gleichgültigkeit doch unterläßt; der Zuflucht sucht in der behaupteten Unmöglichkeit, die Welt zu verändern, und der sich den Mühen und Opfern entziehen will, indem er vorgebliche Gründe höherer Ordnung anführt. Die wirkliche Verantwortung liegt also bei den Personen. Eine Situation ebenso wie eine Institution, eine Struktur, eine Gesellschaft – ist an sich kein Subjekt moralischer Akte; deshalb kann sie in sich selbst nicht moralisch gut oder schlecht sein.“ (Nr. 16; Hervorhebung im Original)

Der Begriff der „sozialen Sünde“ bzw. der „Struktur der Sünde“ bedeutet nicht, daß die Strukturen oder die Gesellschaft als solche sündigen. Unmißverständlich weist Johannes Paul II. darauf hin, daß nur der einzelne Mensch Subjekt und Träger moralischer Akte ist. Kardinal Höffner fand dafür folgende einprägsame Formulierung: „Peccat homo, non structura“ (dt. „Der Mensch sündigt, nicht die Struktur.) Ausgangspunkt und Entstehungsursache von „sozialen Sünden“ bzw. „Strukturen der Sünde“ sind also immer personale Sünden. Die Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Person für ihre Handlungen wird keinesfalls gemindert.

Wenn sich aber bestimmte sündhafte Handlungen in der Gesellschaft ausbreiten und verfestigen und in weiterer Folge Strukturen hervorbringen, die diese gesamtgesellschaftliche Abirrung institutionalisieren, dann können wir von „Strukturen der Sünde“ oder einer „sozialen Sünde“ sprechen. „Strukturen der Sünde“ bilden sich also dann und nur dann, wenn sich spezifische personale Sünden durch „Anhäufung“ und „Zusammenballung“ in der Gesellschaft verbreiten.

Folgende zwei in der Gegenwart besonders einflußreiche sündhaften Verhaltensweisen  nennt Johannes Paul II. in „Sollicitudo rei socialis“ : die „Gier nach Profit“ und das „Verlangen nach Macht mit dem Vorsatz, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen“. (Nr. 37)

Die Gier nach unternehmerischem Gewinn um jeden Preis ist ein Spezialfall der Habgier, worunter das „ungezügelte Streben nach Besitz“ (Thomas von Aquin) zu verstehen ist. Nicht das Streben nach äußeren bzw. materiellen Gütern an sich ist sündhaft. Der Mensch benötigt die äußeren Güter zum Leben und weil alles Geschaffene gut ist und alles Lebendige danach strebt, sein Leben zu erhalten, so sollen auch die materiellen Güter dem Menschen in seinem Streben nach Tugendhaftigkeit und Heiligkeit unterstützen. Es ist das maß-lose Streben nach äußeren Gütern, das der Habgier entspricht.

Nach und nach verletzt die Habgier alle drei Dimensionen der Gerechtigkeit, nämlich 1.) die  horizontale gegen die Mitmenschen, weil diesen die ihnen zustehenden Güter vorenthalten bzw. weggenommen werden; 2.) gegen Gott, die vertikale Dimension der Gerechtigkeit, weil der Habgierige in seinem grenzenlosen Streben nach materiellen Gütern, ein „Noch-Mehr“ ist theoretisch immer möglich, seine Pflichten gegenüber Gott vernachlässigt. Mit anderen Worten: der Habgierige überbetont die vergänglichen Güter und setzt die ewigen Güter herab. Weil aber die Gerechtigkeit darin besteht, jedem das Seine zu geben, handelt der Habgierige auch in dieser Hinsicht ungerecht. Dadurch gefährdet er sein Seelenheil, weil die Bestimmung der vergänglichen Güter in ihrer Hinordnung auf die ewigen Güter liegt. Der Habgierige handelt aber 3.) auch ungerecht gegen seine Seele, die dritte, innere Dimension der Gerechtigkeit, weil er diese auf das falsche Ziel ausrichtet, nämlich die Anhäufig von materiellen Gütern um ihrer selbst willen. Das Streben der Seele nach Ruhe und Glückseligkeit kann ihre Erfüllung aber nur in der Ausrichtung auf Gott finden, nicht in der zügellosen Begierde nach materiellen Gütern. Mit anderen Worten: die ewige Ruhe, nach der sich unsere Seele sehnt, kann unmöglich in vergänglichen Gütern gefunden werden.

Weitere Aufklärung liefert uns der meist mit derselben Bedeutung versehene Begriff der Habsucht. Der Wortteil „Sucht“ weist schon darauf hin, daß die ungeordnete Besitzliebe den Menschen, der, sofern er tugendhaft handelt, Herr über seine Triebe und Leidenschaften ist, versklavt. Er ist durch sein ungezügeltes Besitzstreben ein Getriebener, der von außen bewegt wird, in Fall der Habsucht von den materiellen Gütern.

Der Begriff „Sucht“ stammt ursprünglich ab von „siechen“, was soviel bedeutet wie „erkrankt sein.“ Der Habsüchtige leidet an einer Erkrankung der Seele, die sich in der Fehlorientierung letztlich weg vom höchsten Gut und hin zu einem untergeordneten Gut zeigt. Der Habsüchtige sucht sein Heil in der Habe. Wir können davon sprechen, daß der Süchtige den Gegenstand seiner Sucht zu einem Götzen erhebt, ihm alles unterordnet, ihm letztlich auch sein Leben opfert.

In 1 Tim 6,10 heißt es: „Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.“ Die Vulgata verwendet an dieser Stelle für den Begriff „Habsucht“ das Wort „cupiditas“, die  Begierde des Fleisches, d.h. nicht das von der Vernunft geordnete und der Tugend gemäßigte, legitime Verlangen nach materiellen Gütern.

Alkuin von York, ein Theologe am Hofe von Karl des Großen hält in diesem Sinne fest: Die Habsucht ist

„die Begierde, zu viel Reichtümer zu erlangen, zu haben und zu behalten, was ein unersättliches Verderben ist. Wie der Wassersüchtige, der, je mehr er trinkt, um so mehr nach Wasser verlangt, so will die avaritia (dt.: Habsucht) umso mehr erlangen, je mehr sie schon erlangt hat.“

3) Was hat das alles mit dem neuzeitlichen Bankensystem zu tun?

Zu belegen ist noch, daß das neuzeitliche Bankensystem sowohl auf Seiten des Kreditgebers als auch auf Seiten des Kreditnehmers von der Habgier getrieben ist, denn nur dann wäre das neuzeitliche Bankensystem als „Struktur der Sünde“ zu bezeichnen.

Das eigentliche Bankengeschäft ist die Vermittlung von Krediten. Daher haben wir zwei Geschäftsbeziehungen zu untersuchen. Erstens: die Einlage des Kunden bei der Bank[4] und zweitens die Kreditvergabe der Bank an einen Kreditnehmer. Kreditgeber sind daher erstens die Kunden der Bank und zweitens die Bank, Kreditnehmer erstens die Bank und zweitens die Schuldner der Bank.

Relativ einfach zu beurteilen ist das heute übliche Verlangen nach Zinsen, also nach einem arbeits- und risikolosen Einkommen, zu beurteilen. Das Verlangen nach Zinsen wird in der Tradition der Habgier zugeordnet. Dieses Verlangen nach möglichst hohen Aufschlägen auf die Einlagen bzw. die Kredite ist heute die Norm. Im wirtschaftlichen Handeln, so die weit verbreitete Ansicht, soll jeder Akteur versuchen, möglichst günstig einzukaufen und möglichst teuer zu verkaufen.[5] „Ich hab doch nichts zu verschenken“ –  mit diesem Slogan bewirbt der ehemalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda bezeichnenderweise die hohen Einlagezinsen der ING-Diba.

Betrachten wir zweitens die Kreditvergabe der Banken etwas genauer. Ein die kaufmännische Vorsicht ernstnehmender und maßhaltender Bankier würde den überwiegenden Gutteil seiner Sichteinlagen in Bargeld vorrätig halten. Die fristgemäße und unverkürzte Erfüllung seiner Verbindlichkeiten ist ihm ein hohes Gut. Der Gedanke, aufgrund eigenen Fehlverhaltens oder eigener Fehleinschätzung dem gerechtfertigten Auszahlungsbegehr des Kunden nicht nachkommen zu können, ist ihm ein Greuel. Die Nichterfüllung des rechtmäßigen Auszahlungsbegehrs würde in einer Gesellschaft, in der kluges und umsichtiges Handeln hochgehalten wird, zudem scharf geahndet werden und zwar rechtlich durch zivilrechtliche Schadenersatzansprüche und strafrechtliche Sanktionen wie auch gesellschaftlich durch Ansehens- und Ehrverlust. Daher würde die Bilanz der Geschäftsbanken eine sehr hohe Fristenkongruenz aufweisen. Die Laufzeit der von der Bank gegebenen Kredite würde nicht systematisch und in eklatantem Ausmaße von der Laufzeit der Sicht- und Spareinlagen abweichen.

Darüber hinaus würden die Kunden bereitwillig der Bank die anfallenden Kosten bezahlen und nicht gemäß der „Geiz ist geil“-Mentalität die Unternehmer gegeneinander ausspielen, um die Kosten der Kontoführung möglichst stark zu drücken.

Dagegen erkennt der das Gewinnmaximierungspostulat befolgende, d.h. der habgierige Banker – wie sein umsichtiger Kollege –, daß nicht alle Sichteinlagen jederzeit abgehoben werden. Im Unterschied zu seinem tugendhaften Kollegen beginnt er jedoch die subjektiv überschüssigen Barreserven im großen Stil als Kredit zu vergeben. Er will das unfruchtbar in den Tresoren liegende Metall bzw. Papiergeld gewinnbringend einsetzen. Getrieben vom ungezügelten Besitzstreben verläßt der die Barreserve aus einem lasterhaften Motiv herabsetzende Banker den Pfad der Tugend und beginnt eine tollkühne Geschäftspolitik zu etablieren. (Die allgemeine Zinsenerlaubtheit begünstigt die Herabsetzung der Barreserve, weil das sichere Zinseneinkommen die Barreserve mit zusätzlichen Opportunitätskosten versieht.)

Was aber nun, wenn es sich beim wagemutigen Verleihen von Sichteinlagen nicht um einen Einzelfall handelt sondern um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen? Alle Banken wollen den Großteil ihrer Sichteinlagen verleihen. Dann hätte sich hinsichtlich des bewußten Eingehens von hohen Geschäftsrisiken aus Gründen der Gewinnmaximierung die für die Herausbildung einer „Struktur der Sünde“ nötige Umgestaltung des Kreditangebots vollzogen.

Damit sich dieses Kreditangebot aber tatsächlich in eine Kreditvergabe übersetzt und sich eine „Struktur der Sünde“ tatsächlich herausbildet, muß auch die allgemeine Kreditnachfrage zunehmen. Ein Angebot, das auf keine Nachfrage trifft, verpufft.

Und in der Tat fragen mittlerweile alle drei Sektoren – Privathaushalte, Unternehmen, Staat – fortwährend Kredite nach, weil mit den laufenden Einnahmen nicht das Auslangen gefunden werden will. Vom Unternehmer wird geradezu erwartet, daß er durch die kreditfinanzierte Hebelung seines Eigenkapitals schneller wächst als es sonst der Fall gewesen wäre, um derart die „schöpferische Zerstörung“ (Schumpeter) und den revolutionären Marktprozeß voranzutreiben. Die Bürger verschulden sich, um frühzeitig eine Wohnung zu erwerben und die neuesten technischen Geräte zu kaufen. Die Parteien versuchen die Wähler mit aus den laufenden Einnahmen unfinanzierbaren Wahlversprechen zu bestechen und die Wähler, dies sei an dieser Stelle explizit erwähnt, sind nicht bereit, zur Konsolidierung des Staatshaushaltes auf staatliche Transfers zu verzichten.

Die biblische Warnung – „Der Schuldner ist seines Gläubigers Knecht“ (Spr 22, 7) – wird in den Wind geschlagen. Die für die Gegenwart typischen Kurzsichtigkeit überbetont die durch die Kreditaufnahme errungene, vorübergehend höhere Kaufkraft und die damit verbundenen Chancen und erfreut sich an dieser Schein-Freiheit.

Insofern ist also davon zu sprechen, daß die gesamte Gesellschaft dem Laster der Maßlosigkeit verfallen ist. Manche Teile der Gesellschaft mehr, manche Teile weniger – aber wer Maß hält, gilt als altbacken, (struktur-)konservativ und fortschrittsfeindlich. Das Geld- bzw. Bankensystem bildet diese gesamtgesellschaftliche Verirrung gleichermaßen ab und verstärkt sie, indem sie die Droge Kredit der Gesellschaft in reichlichem Ausmaß zur Verfügung stellt.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist leicht zu erklären, warum die Banken mit unvorstellbaren Summen an Steuergeldern vor dem Bankrott gerettet wurden und vor allem, warum der bisherige Widerstand der Bevölkerung gegen diesen Subventionsfluß endenwollend ist. Unbeschadet des moralischen Versagens insbesondere der politischen Elite, die in besonderer Weise für das Gemeinwohl verantwortlich zeichnen, ahnt zumindest unterschwellig das Gros der Bevölkerung, daß mit dem Zusammenbruch der Banken die liebgewonnene Lebensweise des Lebens auf Pump und der fortwährenden Steigerung der Annehmlichkeiten ein jähes Ende fände.

Fazit:

Gesellschaftliche Institutionen spiegeln das in einer Gesellschaft vorherrschende Gesamt an Ideen und Handlungen wider und verstetigen diese. Die Rückkehr zur Tugendhaftigkeit ist daher in Zeiten, in denen „Strukturen der Sünde“ existieren umso schwieriger, weil die gesellschaftlichen Institutionen anstatt den Menschen in seinem Streben nach Tugendhaftigkeit zu unterstützen die Lasterhaftigkeit fördern. Gleichsam gilt aber, daß in solchen Zeiten das Durchbrechen dieser „Strukturen der Sünde“ bzw. „sozialen Sünde“ umso wichtiger ist.

Dies bedeutet wiederum, daß nur mit der Rückgewinnung der Tugendhaftigkeit, insbesondere der Kardinaltugenden der Gerechtigkeit und des Maßhaltens, die Banken von der Bereitstellung exzessiver Kreditmittel entlastet werden. Es muß wieder zur Norm werden, daß sich jeder Einzelne und jede Familie, von Menschen in existentiellen Notsituationen ausgenommen, mit dem eigenen Einkommen bescheidet. Dies gilt selbstverständlich auch für die Unternehmen und den Staat.

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[1] Für eine umfassende Darstellung sei auf die zweiteilige Publikation zum „Neuzeitlichen Bankensystem“ verwiesen.
[2] Heutzutage hat die Zentralbank das Recht, den Geschäftsbanken den Mindestreservesatz vorzuschreiben. Aktuell liegt dieser bei 1% der reservepflichtigen Einlagen. Zu diesen zählen nicht nur die täglich fälligen Sichteinlagen sondern auch Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit bzw. mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu 2 Jahren. Der Mindestreservesatz bedeutet aber nicht, daß die Geschäftsbanken 99% der Einlagen verleihen müssen, sondern nur, daß nicht mehr als 99% der Einlagen verliehen werden dürfen.

[3] Für eine umfassende Darstellung sei auf die Publikation „Die abendländische Lehre vom Zinsenverbot“ verwiesen.
[4] Der Einfachheit halber werden wir die Sichteinlage und Termineinlage im Folgenden nicht trennen.
[5] In konkreten Einzelfall ist die Beurteilung wesentlich komplexer. Die Schadloshaltung gegen den heute üblichen Kaufkraftverlust des Geldes hat defensive Natur und ist somit als gerechtfertigtes Interesse und nicht als ungerechtfertigte Zinsen einzustufen.

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