Wir über uns

„So kann es nicht mehr weitergehen“ – immer öfter ist diese Einschätzung zu vernehmen. Sie ist nicht mehr auf einzelne Lebensbereiche, sondern umfaßt nahezu den gesamten Alltag: Politik(er)verdrossenheit, fortwährende wirtschaftlichen Schwankungen und Tendenzen der gesellschaftlichen Auflösung sowie Entmenschlichung. Es ist unsere tiefe Überzeugung, daß es sich bei der gegenwärtigen Krise nicht um oberflächliche, mit kosmetischen Eingriffen zu behebende Fehlentwicklungen handelt. Die alle Lebensbereiche langsam, aber sicher ergreifenden Verwerfungen weisen auf eine existentielle Krise hin. Die das Leben tragenden Fundamente des Glaubens und der Vernunft sind soweit unterspült, daß der Sinn und Zweck unserer Existenz, ja mittlerweile der Mensch selber der vollständigen Beliebigkeit preisgegeben ist.

Angesichts dieser Diagnose beschäftigt sich das Oekonomika-Institut mit Grundlegendem. Es möchte das verschüttete Erbe des christlich-abendländischen Denkens, auf dem Europa begründet ist, freilegen. Europa wurde, so der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuß, auf drei Hügeln errichtet: der Akropolis (die Philosophie Griechenlands), dem Kapitol (das Rechts- und Staatsdenken der Römer) und Golgatha (die Heilsbotschaft des Christentums). Der Zeitgeist erachtet diese Jahrtausende alte Tradition als überkommen, Quellen seien versiegt. Daß dem nicht so ist, daß es sich bezahlt macht gegen den Strom zu schwimmen, um diese Quellen neu zu entdecken, dies zu zeigen, ist unsere Motivation.

Aus den Quellen des abendländischen Denkens wollen wir schöpfen. Wir betreiben allerdings keine Archäologie aus einer falschen Romantik für das Vergangene. Die aus der Auseinandersetzung mit in dieser Tradition stehenden Denkern gewonnen Einsichten gilt es für die Anwendung auf aktuelle Probleme fruchtbar zu machen. Wo immer es nötig ist, sind die Einsichten zu erweitern oder auch zu korrigieren. Ein bloßes Beharren ist tot, Tradition ist jedoch immer lebendig: sie bewahrt das Bewahrenswerte und verändert – behutsam – das zu Verändernde.

Thematisch liegt unser Schwerpunkt auf ökonomischen Themen, weil sie in der gegenwärtigen Gesellschaft eine übergeordnete Rolle spielen. Zugleich ist es unsere Überzeugung, daß diese Überbetonung eine der Ursachen für die seit 200 Jahren wiederkehrenden Wirtschaftskrisen darstellt. Wir erwarten von den wirtschaftlichen Gütern die Befriedigung unserer existentiellen Sehnsüchte.

Das Abendland hat hingegen die Ökonomie immer als einen Teilbereich des menschlichen Handelns verstanden, das sich ganz allgemein tugendhaft gestalten soll. Tugendhaft handeln heißt, dem Menschen gemäß handeln. Daher zählt im Abendland die Ökonomik neben der Ethik und der Politik klassischerweise zur praktischen Philosophie.

Das gute Leben gelingt nur, wenn wir die Sorge um die materiellen Güter in der Ordnung der Dinge an den ihr angestammten Platz verweisen. Diese, in den Augen der Gegenwart, Abwertung, ist zugleich eine Aufwertung. Die Entlastung der Wirtschaft von Aufgaben, die sie nicht zu bewältigen imstande ist, gibt ihr wieder jenen Freiraum, den sie benötigt, um den Menschen in seinem Streben nach dem Schönen, Wahren und Guten zu unterstützen.

Wir versprechen keine einfachen, schnellen Lösungen. Obschon uns die Institutionen prägen und formen, so bedarf es zur Gesundung der Gesellschaft der inneren Umkehr des Menschen hin zur Tugendhaftigkeit. Denn frei ist der Mensch nicht dann, wenn er losgelöst von Gottes Schöpfungsordnung sich zu verwirklichen sucht, sondern wenn er sich für das Gute entscheidet.. Und je mehr wir das Gute tun, desto freier werden wir, desto menschlicher, der Ganzheitlichkeit des Menschen entsprechender wird die Gesellschaft.

 

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